
Review - Danica Dakic: EL DORADO. Guided Tour
„Colori Colorado“ singt eine Kinderstimme. Die ersten Worte klingen durch die Säle des Deutschen Tapetenmuseums in Kassel und reimen sich auf El Dorado, die gleichnamige Tapete, auf der die Erdteile Asien, Europa, (Süd-)Amerika und Afrika in üppiger Vegetation und durch architektonische Motive, Blumen und Vögel repräsentiert werden. Aber wen sprechen diese Traumbilder vom El Dorado an?
Mitten im Museum beginnt die Performance EL DORADO. Guided Tour: Die documenta 12 Künstlerin Danica Dakić führt durch die Ausstellungsräume des Tapetenmuseums, dabei trägt sie ein von der Designerin Lejla Hodžić gemeinsam mit Ingenieuren speziell angefertigtes Kleid. Dessen Stoffmuster zitiert die Panorama-Tapete El Dorado, etwa Pfauenfedern auf den Ärmeln, die Europa bedeuten. In einen überbordenden Kragen wurden kleine Lautsprecher eingearbeitet, die überlangen Ärmel mit Sensoren ausgestattet, über die Dakić die Audio-Tracks mit den Stimmen der Jugendlichen anwählt. Satzfragmente wie „nobody knew what I was doing here“ oder „I was very confused“ sind zu hören; dann ist die Rede von einem Jungen, der einfach herumrennt. Er tut es auch im realen Raum: Robel Mesgena läuft der Künstlerin immer wieder entgegen und mitten durch das Publikum – der Dauerläufer bewegt sich durch die symbolische Geschichtsumgebung und deren Repräsentationen, in denen er nicht vorkommt. Manchmal spricht seine Stimme gleichzeitig aus dem Kleiderkragen vom Leben und Laufen.
Mitten im Museum beginnt die Performance EL DORADO. Guided Tour: Die documenta 12 Künstlerin Danica Dakić führt durch die Ausstellungsräume des Tapetenmuseums, dabei trägt sie ein von der Designerin Lejla Hodžić gemeinsam mit Ingenieuren speziell angefertigtes Kleid. Dessen Stoffmuster zitiert die Panorama-Tapete El Dorado, etwa Pfauenfedern auf den Ärmeln, die Europa bedeuten. In einen überbordenden Kragen wurden kleine Lautsprecher eingearbeitet, die überlangen Ärmel mit Sensoren ausgestattet, über die Dakić die Audio-Tracks mit den Stimmen der Jugendlichen anwählt. Satzfragmente wie „nobody knew what I was doing here“ oder „I was very confused“ sind zu hören; dann ist die Rede von einem Jungen, der einfach herumrennt. Er tut es auch im realen Raum: Robel Mesgena läuft der Künstlerin immer wieder entgegen und mitten durch das Publikum – der Dauerläufer bewegt sich durch die symbolische Geschichtsumgebung und deren Repräsentationen, in denen er nicht vorkommt. Manchmal spricht seine Stimme gleichzeitig aus dem Kleiderkragen vom Leben und Laufen.

Dakićs langes Haar ist auffällig zu einer großbürgerlichen Einschlagfrisur (Banane) frisiert. Damit imitiert sie zwar Vorstellungen hegemonialer Ideale von Schönheit und Anmut, übermittelt aber die ungehörten Träume der jungen MigrantInnen. Die mehrsprachige Soundcollage setzt sich aus Interviewfragmenten mit migrantischen Jugendlichen, Auszügen aus Filmen, Kinderliedern und Regieanweisungen zusammen. Der gesamte Text fügt sich zu einem Märchen, das rückwärts erzählt wird und mit „Es war einmal“ in verschiedenen Sprachen endet. Dakić spielt die Rolle des Ton- und Bildträgers, Überbringerin der Wünsche und Gedanken. Das Hörstück, das von ihr durch die Räume getragen wird, ist immer in Bewegung, versteht sich als formale Analogie zur Situation der MigrantInnen, die weiterkommen wollen oder wie Robel gerne laufen, auf der Suche nach einem eigenen Ort. Dabei hat das Kleid seinen eigenen Sound: Das schwere Material kratzt und raschelt wie eine dicke Papiertapete und scheint die Last des Vergangenen für die Gegenwart zu formulieren. Die Panoramatapete El Dorado war auch schon konzeptueller Ausgangspunkt für ihre gleichnamige Video- und Audioinstallation – Letztere ist in verschiedenen Räumen des Tapetenmuseums installiert. Robel Mesgena läuft auch schon im Video durch die Ausstellungsräume.
Zum Abschluss des Rundgangs leitet die Künstlerin ihr Publikum in den Raum mit der El Dorado-Tapete, verschwindet unbemerkt und auf der Bank sitzt die Leiterin des Tapetenmuseums, Sabine Thümmler, und erklärt das Panorama, beginnt mit Afrika, erwähnt den Pfau vor Europa und Moscheen vor Asien. Es ist fast ein Déjà vu: Sie wirkt wie ein Double der Künstlerin – mit der gleichen imposanten Einschlagfrisur.
Vera Tollmann
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