DOCUMENTA KASSEL 16/06-23/09 2007



Sanja Iveković

Poppy Field
Installation 2007




*1949 in Zagreb (HR), lebt in Zagreb (HR)
Ivekovićs Arbeit ist geprägt durch die kritische Auseinandersetzung mit der Politik der Bilder und Körper. Zu ihren künstlerischen Strategien gehört die Analyse medialer Identitäts- konstruktionen ebenso wie politisches Engagement, Solidarisierung und Aktivismus. Seit den 1970er Jahren arbeitet sie mit Performance, Video, Fotografie, Installation und Aktionen im öffentlichen Raum.

Für documenta 12 lässt Sanja Iveković auf dem Friedrichsplatz vor dem Fridericianum ein Mohnfeld (2007) erblühen. Die Aussaat besteht aus 90% Klatschmohn und 10% Blaumohn. Sowohl der Platz, als auch die Mohnblume haben eine wechselvolle Geschichte und repräsentieren eine Vielzahl an Bedeutungen.

Im 18. Jahrhundert entstanden, ist der Friedrichsplatz einer der größten Innenstadtplätze Deutschlands. Bereits im Kaiserreich und besonders in der Zeit des Nationalsozialismus wurde er zum Exerzieren, für Aufmärsche und Militärparaden genutzt. Andererseits eröffnet Mohn ein reiches Feld an historischen und kulturellen Referenzen. Im englischsprachigen Raum ist der rote Mohn ein Symbol für das Gedenken an gefallene Soldaten, während er in Ländern mit kommunistischer Vergangenheit "adoptiert" wurde, um den Geist von Widerstand und Revolution darzustellen. Indem sie auch Blaumohn sät, aus dem Opium
produziert werden kann, möchte Sanja Iveković auf das Thema des Mohnanbaus zur Drogen- produktion aufmerksam machen. Heute, sechs Jahre nach Einsetzung der "demokratischen" Regierung durch die USA, werden in Afghanistan 92% der Weltopiumproduktion hergestellt. Afghanische Frauen sind häufig direkte Opfer von Grausamkeiten, die aus dem illegalen Drogen- handel resultieren.

Wie in vielen anderen ihrer öffentlichen Kunstwerke hat Sanja Iveković für das Mohnfeld mit Organisationen feministischer Aktivistinnen zusammengearbeitet, in diesem Fall mit Lezbor aus Zagreb, Kroatien, und mit RAWA, der RevolutionärenVereinigung der Frauen Afghanistans, weswegen der Friedrichsplatz zweimal täglich an sonnigen Tagen mit von afghanischen und kroatischen Frauenchören gesungenen Revolutionsliedern beschallt wird.

Durch die Besetzung des öffentlichen Raumes thematisiert Sanja Iveković die menschen- rechtliche Komponente des Sujets. Neben der Kritik an der Verletzung der Rechte der Frauen ist Iveković und ihren Kooperationspartnerinnen eine radikale Kritik der "demokratischen" Gesellschaften, in denen sie leben, gemeinsam sowie die Ansicht, dass der Kapitalismus nicht als "natürlicher Zustand" und damit als "beste mögliche Welt" anzusehen ist.Die ersten vier Lieder werden von dem Chor der Zagreber Frauengruppe Le Zbor(www.lezbor.org) in kroatischer Sprache gesungen. Die weiteren fünf werden in den beiden in Afghanistan gesprochenen Sprachen Dari und Pashto von Studierenden der revolutionären Vereinigung der Frauen Afghanistans, RAWA, gesungen. <br><br> Die Künstlerin möchte ein Buch zum Mohnfeld publizieren und lädt ein, dazu beizutragen. Wenn Sie Fotos von Familie, Freunden oder sich selbst im Mohnfeld haben, dann schicken Sie diese bitte an: mohnfeld@documenta.de
Erste Impressionen der BesucherInnen im Mohnfeld sehen Sie hier

Die MP3 Dateien zu Crevni Makovi sowie Arise Oh Women stehen Ihnen hier zum Download zur Verfügung.